Der eine. Hat mich rückwärts aus der Bustoilette, mit dem Hintern zuerst und dem Kopf zuletzt, auf den harten Boden befördert. Der andere sollte uns aus unserer Wohnung zurück auf die Straße werfen. Und nun?
Auch wenn der Kopf brummt, man darf nur nicht vergessen aufzustehen. Wieder ein bisschen schlauer kann ich mit dem Erfahrungsstand von heute behaupten: Bustoiletten hinterlassen keine bleibenden Schäden (ausgenommen der blauen Flecken, die in unserer Familie mehr oder weniger bleibend sind). Und einem Vermieter, auch wenn er manchmal in anderen Sphären schwebt, bleibt am Ende doch noch die Vernunft.
Die guten Künstler tragen die Verrücktheit in sich. Ich mag die Verrückheit. Sie lässt sich auf so vielen verschieden Wegen ausleben. In Künstlerköpfe gehören all die vielen Dinge, die in der normalen Welt keinen Namen haben. Denen man aber mit dem richtigen Werkzeug Form, Farbe oder eine Melodie geben kann.
Unser Vermieter macht das gerne an der Wand zu meinem Zimmer. Davor steht jede Menge Werkzeug, dass mich manchmal neidisch macht. Und manchmal wahnsinnig. Denn damit kann man allerlei Dinge anstellen. Zum Beispiel kratzen. Klopfen geht auch ganz gut. Oder streichen.
Besonders inspiriert ist er meist gegen 2 Uhr nachts.
Am Donnerstag war sein Drang nach Selbstverwirklichung wieder sehr groß. Konnte man im ganzen Haus sehen und hören. Um 5 Uhr morgens hab ich meine Oropax beiseite gelegt und seine Musik ausgeschaltet. Patrick hatte keine Oropax. Hat aber dafür den Mund aufgemacht. Und sollte deswegen die Haustür hinter sich zu machen.
Mit dem dummen und bekannten Gefühl im Recht zu sein, aber ungerecht behandelt zu werden machen wir uns am Donnerstag mit gepackten Rucksäcken auf den Weg nach Puerto Escondito. Der Bus, dessen Toilettentür klemmt, glänzt an der Oberfläche, so dass man kleine, anstößige (ich hätte mich mit dem Gürtel ans Waschbecken ketten sollen) Details schnell vergisst.
Das war ein Bus voller Betten. Mit schlaglochresistenten
Federn. So, dass selbst meine blaue Pobacke zufrieden war. Nur einen Skianzug hätte ich mir gewünscht - um den winterlichen Temperaturen zu trotzen. Der Blick aus dem Fenster lenkt ab.Am frühen Morgen kommen wir im Tower Bridge Hostel an. Das Klima ist tropisch. Alles was Feuchtigkeit auf sich nehmen kann, zieht die kleinen Tropfen aus der Luft, schließt sie ein und gibt einen muffig ranzigen Geruch zurück. Meine Haare konnten schon immer gut Feuchtigkeit aufnehmen. Ob ich auch rieche? Schnell ins Badeoutfit und ab ans Meer.
Nach und nach treffen die restlichen 10 Franzosen ein und wir verbringen unseren ersten Tag
Das Reisen.
Neben uns sitzt der typisch deutsche Backpacker. Blondes, langes Haar, 3-Wochen-Bart, Kettchen und Armbändchen und das Surfbrett am Bein. Ist schon seit 5 Monaten unterwegs. Und muss nicht bleiben, wenn er nicht will. Er hat die Freiheit im Gepäck.
Ich möcht sie gerne klauen.
Abends essen wir Tacos Hawaii und tanzen im Nieselregen am Strand. Der Tequila lässt meine Strubbelmähne auch um 5Uhr morgens halbwegs gut aussehen. Macht irgendwie noch exotischer. Im Hostelpool waschen wir uns den Sand von den Füßen.
Am Morgen, nachdem sich auch der letzte ans Tageslicht getraut hat, fahren wir weiter Richtung Puerto Angel. Im vollgepackten Bus könnten wir wieder einen Hut rumgehen lassen - nur fürs Glotzen. Aber mit der letzten Nacht in den Beinen und zwischen den Sitzen bewegungsunfähig festgeklemmt, wiegen uns mexikanische Balladen schnell in den Schlaf.
Puerto Angel ist ein kleines Stück Himmel. Nur will die Sonne nicht scheinen. Wir essen frischen Fisch, frühstücken am Strand und fahren Nachts mit dem Bus raus aus der Feuchtigkeit. Zurück in den Smog. Am Montag sitzen wir mit Bikinistreifen und roten Gesichtern in der Vorlesung.
"Ein Meer kann ein Tropfen sein, aber ein Tropfen kein Meer."
Unsere Wohnung dürfen wir behalten. Er war nicht bei Sinnen.

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