Aber schliesslich - wie es schon immer ausserhalb Deutschlands war - haben wir Zeit. Gerade 20 Minuten vor Abflug, massig. Und was wir noch haben, ist eine Kreditkarte. Und damit lässt sich bekanntlich die ein oder andere Türe knacken - so auch diese und schliesst damit eine andere erst hinter uns. Die des Flugzeugs.
Kennst du dieses Geräusch, dass ertönt wenn du das Tor mit dem Zonk auswählst? Wenn jede Dummheit am Ende doch glimpflich ausgeht (wie der fehlende Buchungscode oder die falsche Kreditkartennummer), dann wartest du auf diesen Ton *deeööö*. Zonk. Diesmal kein neues Auto, keine Waschmaschine, kein Inklusivurlaub. Oder vielleicht einfach kein Koffer, am Gepäckband. Mein Koffer. Am Gepäckband. Nach 24 Stunden, bleibt nicht mal mehr genug Kraft in Panik zu verfallen. Ich resigniere einfach, sitze, stehe, versuche nicht umzufallen und stelle mich mit 10 Leuten in die Schlange am Informationsschalter. Und warte. Auf irgendwas. Irgendein Koffer. Mir auch recht.
Aber der Zonk soll heute einfach nicht uns gehören. Denn dann kommt Patrick auf mich zu gelaufen. Mit einem Koffer, der sich entschieden hatte auf einem anderen Flugzeug nach Mexiko zu reisen. Sieht aus wie meiner. Meine Sachen drin. Nehm ich.
Am Ausgang wartet Natalia auf uns. Mit Auto und ner Menge Geduld, da unsere Flug erst 1 1/2 Stunden später eintrifft. Wir werden bis vor die Hosteltür gefahren, die sich nach einer viertel Stunde natürlich (!- bei unserer Glückssträhne) doch noch öffnet und uns endlich den Weg ins Bett ermöglicht. "Una cerveza por favor", klappt selbst halb tot noch. Und dann, gute Nacht Mexiko.
In "Sex and the City 2" hat Charlotte diesen einen Moment, in dem sie einfach vergisst, dass sie in Abu Dabhi ist, und unter der Dusche ihren Mund öffnet. Heute morgen beim duschen war ich auch ziemlich entspannt. Wie lange man wohl spucken muss bis alles draussen ist? Gleichzeitig beschäftigte mich die Frage, inwieweit Mensaessen auf verunreinigtes Leitungswasser vorbereiten kann. Nach meinem jetztigen Befinden: Weit genug.
Particks Oma sagt "Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben". Nach dem Frühstück wagen wir uns einmal um den Wohnblock. Buttermesser in der linken Hosentasche, ein kleines bisschen Angst in der rechten. Doch weder das eine, noch das andere muss ausgepackt werden. Denn im Hellen und dem alltäglichen Trubel, muss man sich nicht anders verhalten als in Kölns Ghetto auch. Und schliesslich bin ich ja quasi im Hood zuhause. Der einzige entscheidende Unterschied - die Ghettosprache kann ich (Danke dafür :)). Spanisch nicht. Mit Englisch soll man ja bekanntlich in Großstädten ziemlich gut voran kommen. Und da Mexiko ja bisschen was größer ist, sollte das mit dem Englisch ja ähnlich sein. Denkste. Falsch gedacht. Weiterdenken. Und zwar vor Spanischbüchern. Ab jetzt Tag und Nacht.
Sensationeller Schreibstil. Ich bin wirklich begeistert.
AntwortenLöschenAch ja, dann wünsche ich dir auch noch viel Glück bei deiner Survival-Tour!!!
Grüße aus dem "sicheren" Hessen,
Chris