Heute ist Donnerstag. Es sind kaum 4 Tage vergangen und ich fühle mich von so viel Kultur erschlagen. Unsere Tage starten um 8.30Uhr (nach mexikanischer Zeit natürlich) und enden frühestens um 17Uhr. Mal abgesehen davon, das Warten ein ganz großer Programmpunkt auf unserer Liste ist (meistens wartet man einfach mal, weil man schon lange nicht mehr gewartet hat), werden wir wohlbehütet wie junge Lämmchen quer durch Mexiko getrieben. Bis 10.30Uhr sorgt der Cappuchino alto von Starbucks (für 1,50€!) dafür, dass mich die dünne Luft hier oben nicht zu Boden zieht. Bis zum Mittagessen gelingt es mir ganze Gespräche auf Spanisch zu führen (auch wenn mich keiner versteht). Ein Burrito oder Enchilada gibt Energie verständnisvoll zu nicken und sich mit "si" und "no se" sinnvoll in Gespräche einzubringen. Dann ist es 15Uhr. Und spätestens dann, fange ich an Lippen zu lesen. Also - ich sehe Münder auf und zu gehen. Auf. Auf. "Si". Zu. Auf. "No". Zu. Nochmal bitte.
Ab 16Uhr schalte ich auf Nebelblick. Unsere mexikanischen Freunde wissen auch schon wann ein "IschabRükken" angebracht ist, und sind immer bemüht mich zum sitzen zu bringen.
Heute ist Freitag und ganz langsam passen sich unsere europäischen Körper dem Höhenunterschied an. Die Orientierungswoche liegt hinter uns, wir haben uns weitgehend für die Kurse eingeschrieben und können ganz langsam das Leben um die Uni planen. Dank Natalia sind die Wohnungsbesichtungen recht unkomplizert abgelaufen und wir dürfen am Sonntag unser neues Appartement beziehen. Oder treffender formuliert: Haus. Über drei Stockwerke. 5 Mitbewohner. Einer davon Künstler. Drei Gemeinschaftsräume. Flatscreen-TV in jedem Zimmer. Drei Terassen. Fühstück inclusive. Und Berta stets auf Abruf (http://www.youtube.com/watch?v=On1w9yuAzrg). So lebt man hier als Student. Von aussen ist der Luxus meistens nicht zu erkennen - vorbei an hässlichen Häuserfassaden, und erst wenn man Gitter und Schlösser geöffnet hat findet man schwere antike Möbel, große Zimmer, Kunst und. Geschmack. I like.
Das Wetter.
Muss hier nicht erwähnt werden. In Afrika redet ja auch keiner übers Wetter. Und schliesslich sind wir hier ja nicht zwei Wochen auf Mallorca, sondern versuchen ganz abseits von Souvenirständen sowas wie einen Alltag zu leben (Mit Berta natürlich. Und. Der Lizenz sich daneben zu benehmen, ohne es am nächsten Tag in der Express zu lesen.).
Und ich.
Auf wem Weg.